Vaillant-Serie · Teil 2
aroTHERM plus oder aroTHERM pro? Der Unterschied zeigt sich am Gebäude
Bei der Auslegung liegen keine Produktnamen übereinander, sondern Kurven: Heizlast, Geräteleistung, Mindestleistung. Daneben stehen Maße, Schallwerte und der Warmwasserbedarf. Erst wenn diese Größen zusammenpassen, wird aus plus oder pro eine technische Entscheidung.
Die aroTHERM plus bietet fünf feinere Leistungsstufen, bis zu 75 °C und in vergleichbaren Klassen niedrigere maximale Schallleistungswerte laut Hersteller. Die pro konzentriert sich auf drei Leistungsklassen, erreicht bis zu 70 °C und bringt selbst 11 kW in einem vergleichsweise niedrigen Ein-Lüfter-Gehäuse unter. Keine dieser Eigenschaften bildet allein eine Rangfolge; entscheidend ist der Betriebspunkt des Gebäudes.
Von außen ähnlich, im Projekt verschieden
Von der Straße aus können sich zwei Vaillant-Projekte zum Verwechseln ähneln. Im Haus entscheidet sich dennoch, ob die feinere Leistungsstaffelung der plus oder das kompaktere Gehäusekonzept der pro den größeren praktischen Vorteil bringt. Technisch teilen beide Baureihen zunächst viel.
Das bedeutet praktisch: Die Grundsatzentscheidung für oder gegen das Vaillant-System fällt nicht zwischen plus und pro. Der Unterschied beginnt erst bei Leistungsstaffelung, Temperaturreserve, Akustik und Gehäuse. Viele Bestandteile im Haus können sehr ähnlich aussehen.
Bei Monoblock-Systemen liegt der Kältekreis vollständig im Außengerät. Zwischen innen und außen wird Heizwasser geführt. Das vereinfacht bestimmte Arbeiten am Kältekreis, verlangt aber eine saubere Planung von Frostschutz, Leitungsweg und Hydraulik.
Wann die aroTHERM plus praktisch im Vorteil ist
Die plus ist in fünf Größen von 3 bis 12 kW erhältlich. Diese feinere Staffelung ist hilfreich, wenn eine kleine Heizlast nicht unnötig groß bedient werden soll oder zwischen zwei pro-Größen eine passendere Stufe benötigt wird. Trotzdem muss immer das vollständige Leistungskennfeld geprüft werden: Ein 7-kW-Name garantiert bei minus sieben Grad und 55 °C Vorlauf keine sieben Kilowatt.
Die maximale Vorlauftemperatur von 75 °C schafft zehn Kelvin mehr Reserve als bei der pro. Das kann bei Warmwasser, einzelnen kalten Tagen oder einem schwer zu verbessernden Heizkreis relevant sein. Es ist kein Argument dafür, die Anlage dauerhaft so hoch zu fahren. Vaillant weist bei A−7/W55 je nach plus-Größe COP-Werte von etwa 1,98 bis 2,14 aus – ein anschaulicher Hinweis darauf, wie anspruchsvoll viel Temperatur bei Frost ist.
Auch beim Schall liegen die maximalen Herstellerwerte der plus in ungefähr vergleichbaren Leistungsklassen niedriger. Ob das am Grundstück wirklich einen Unterschied macht, entscheidet jedoch erst die Schallausbreitung. Ein leiseres Datenblatt heilt keine ungünstige Ecke zwischen zwei reflektierenden Wänden.
- Typisch stark bei kleiner oder fein abzustufender Heizlast.
- Interessant bei schallsensibler, dichter Bebauung – nach konkreter Schallprüfung.
- Mehr Temperaturreserve für besondere Betriebszustände im Bestand.
- Breitere Auswahl bis 12 kW und Kaskadenoption für größere Leistungen.
Wann die aroTHERM pro praktisch besser passen kann
Die pro bündelt das Programm in 5, 7 und 11 kW. Passt eine dieser Größen sauber zum Leistungsbedarf, ist die geringere Auswahl kein Nachteil. Die 5- und 7-kW-Geräte sind nur 750 Millimeter hoch. Auch die 11-kW-Ausführung arbeitet mit einem Lüfter und bleibt mit 1.103 Millimetern deutlich niedriger als viele Geräte dieser Leistungsklasse.
Damit wird die pro interessant, wenn ein Fenster, eine Fassadengliederung oder die Sichtachse im Garten die Bauhöhe begrenzt. „Passt unter das Fenster“ ist trotzdem erst nach Aufmaß richtig: Sockel, Kondensatführung, Abstände, Luftweg und die Unterkante des Fensters gehören mit in die Zeichnung.
Die maximale Vorlauftemperatur von 70 °C reicht für viele gut geplante Bestandsprojekte deutlich aus. Wenn das Haus selbst am Auslegungstag mit etwa 50 bis 55 °C auskommt, entsteht aus den zusätzlichen fünf Kelvin der plus im normalen Heizbetrieb kaum ein Nutzen. Dann können Gehäuse, Leistungspunkt, Schall und Projektpreis wichtiger sein.
Eine passende pro ist sinnvoller als eine plus, deren zusätzliche Möglichkeiten das Gebäude gar nicht nutzt. Umgekehrt darf der kompakte Aufbau nicht über eine unpassende Leistung oder Akustik hinwegtäuschen.
Praxis statt Produktname
plus und pro setzen unterschiedliche Schwerpunkte.
Die Tabelle zeigt belastbare Baureihenmerkmale – die Gerätewahl erfolgt anschließend am Leistungskennfeld des konkreten Modells.
3, 5, 7, 10, 12 kWFeinere Staffelung
5, 7, 11 kWKonzentriertes Programm
bis 75 °CTechnische Reserve, nicht das Effizienzziel
bis 70 °CFür viele Bestandsprojekte ausreichend
765–1.480 mm hochAbhängig von der Leistungsgröße
750–1.103 mm hoch5 und 7 kW besonders niedrig gebaut
Fein abstufenTemperatur- und Schallreserve
Kompakt lösenWenn eine der drei Größen sauber passt
Fünf Prüfwerte, dann erst die Baureihe
Ich beginne mit der Heizlast und lege darüber das Leistungskennfeld der konkreten Geräte. Danach prüfe ich Heizkörper oder Fußbodenheizung, Warmwasserbedarf, mögliche Sperrzeiten, Aufstellung, Schall und den elektrischen Anschluss. Erst dann wird aus einer Baureihe ein belastbarer Gerätevorschlag.
Für die kleineren Geräte beider Reihen genügt je nach Modell eine 230-Volt-Versorgung; die größeren Klassen werden mit 400 Volt angeschlossen. Das ist kein Qualitätsmerkmal, kann aber Einfluss auf Elektroarbeiten und Hausanschluss haben. Ebenso wichtig ist die Innenlösung: Ein uniTOWER mit 190 Litern kann kompakt sein, während eine Hydraulikstation mit separatem Speicher mehr Freiheit bei hohem Warmwasserbedarf bietet.
Die Entscheidung muss sich anschließend in einem Satz technisch erklären lassen: „Dieses Gerät liefert bei Ihrer Auslegungstemperatur die notwendige Leistung, regelt an milden Tagen ausreichend weit herunter und funktioniert an diesem Standort akustisch sowie räumlich.“ Bleibt nur „plus ist besser“ oder „pro ist günstiger“ übrig, fehlen noch Berechnung und Prüfung.
- Gebäude: Heizlast, Heizflächen und reale Systemtemperatur.
- Außengerät: Leistung bei Kälte, Mindestleistung, Abmessungen und Schall.
- Innensystem: Warmwasserprofil, Speicher, Hydraulik und Regelung.
- Schnittstellen: Fundament, Kondensat, Elektro, Netzbetreiber, PV und HEMS.
- Betrieb: Inbetriebnahme, Einweisung, Fernzugriff, Wartung und Störungsweg.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen zu diesem Thema.
Ist die aroTHERM plus grundsätzlich effizienter als die pro?
Nicht an jedem Betriebspunkt und nicht in jeder Größe. Die aktuellen Herstellerdaten zeigen je nach Modell unterschiedliche Werte. Entscheidend sind die Betriebspunkte, die im konkreten Gebäude häufig auftreten.
Brauche ich im Altbau automatisch die aroTHERM plus?
Nein. Wenn Heizlast, Heizflächen und erforderliche Vorlauftemperatur zur pro passen, kann sie eine sehr gute Lösung sein. Die höhere Temperaturreserve der plus ist nur dann ein Vorteil, wenn das Projekt sie tatsächlich benötigt.
Ist die aroTHERM pro leise genug für ein Reihenhaus?
Das lässt sich nicht allein aus der Baureihe ableiten. Gerät, Nachtbetrieb, Abstand, Reflexionsflächen und maßgeblicher Immissionsort müssen gemeinsam betrachtet werden. In einem schallsensiblen Projekt kann die plus mehr Reserve bieten.
Welche Baureihe ist günstiger?
Ein belastbarer Vergleich benötigt das vollständige Systemangebot. Außengerät, Inneneinheit, Speicher, Hydraulik, Elektro- und Nebenarbeiten können den Projektpreis stärker beeinflussen als die Baureihe allein.
Quellen und fachliche Grundlage
Eigene Projekterfahrung von Miro Heizung & Sanitär, ergänzt um folgende öffentlich zugängliche Fachquellen:
- aroTHERM plus /8.1: Produktseite und technische Daten · Vaillant Deutschland
- aroTHERM pro /7.1: Produktseite und technische Daten · Vaillant Deutschland
- Flexible Space Function: Funktionsweise und Planungsbedingungen · Vaillant Deutschland
- GarantiePLUS: Leistungen und Voraussetzungen · Vaillant Deutschland
Redaktioneller Hinweis: Der Artikel dient der allgemeinen Orientierung. Gebäude, Förderung und technische Anforderungen werden vor einer Umsetzung projektbezogen geprüft.